Milchzähne verbinden die meisten Menschen mit der Kindheit. Normalerweise werden sie nach und nach durch die bleibenden Zähne ersetzt. Doch nicht bei jedem Menschen läuft der Zahnwechsel vollständig ab. Manchmal befindet sich auch im Erwachsenenalter noch ein Milchzahn im Gebiss.
Ein solcher persistierender Milchzahn muss zunächst kein Problem darstellen. Manche Milchzähne bleiben über viele Jahre stabil und erfüllen weiterhin ihre Funktion. In anderen Fällen entstehen jedoch Beschwerden oder es stellt sich die Frage, wie die Zahnlücke langfristig versorgt werden kann.
Entscheidend ist deshalb nicht allein das Alter des Milchzahns, sondern seine individuelle Situation. Wir erklären, warum Milchzähne bei Erwachsenen vorkommen, wie lange sie erhalten werden können und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen.
Warum haben manche Erwachsene noch Milchzähne?
Normalerweise beginnt der Zahnwechsel ungefähr im sechsten Lebensjahr. Die Wurzeln der Milchzähne werden nach und nach abgebaut, die Zähne fallen aus und die bleibenden Zähne brechen durch.
Bleibt ein Milchzahn im Erwachsenenalter erhalten, kann das unterschiedliche Gründe haben. Häufig fehlt der entsprechende bleibende Zahn vollständig. Zahnmediziner sprechen in diesem Zusammenhang von einer Nichtanlage beziehungsweise Agenesie.
Weitere mögliche Ursachen sind:
- Fehlende Anlage eines bleibenden Zahns
- Verlagerung des bleibenden Zahns im Kiefer
- Störung des natürlichen Zahndurchbruchs
- Ungewöhnliche Position des bleibenden Zahns
- Entwicklungsbedingte Besonderheiten von Zähnen oder Kiefer
Welche Ursache tatsächlich vorliegt, lässt sich durch eine zahnärztliche Untersuchung und gegebenenfalls durch bildgebende Diagnostik feststellen. Besonders wichtig ist die Frage, ob sich unter beziehungsweise neben dem Milchzahn noch ein bleibender Zahn im Kiefer befindet.
Ist ein Milchzahn bei Erwachsenen automatisch problematisch?
Nein. Ein verbliebener Milchzahn muss nicht allein deshalb entfernt werden, weil der Patient erwachsen ist. Ist der Zahn gesund, ausreichend stabil und funktionell gut in die Zahnreihe integriert, kann es durchaus sinnvoll sein, ihn zunächst zu erhalten.
Dabei müssen allerdings verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Milchzähne unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Größe, Form und Wurzelstruktur von bleibenden Zähnen. Sie wurden ursprünglich nicht dafür entwickelt, ein ganzes Erwachsenenleben lang im Gebiss zu verbleiben.
Deshalb sollte regelmäßig kontrolliert werden, wie sich der betreffende Zahn entwickelt.
Wie lange kann ein Milchzahn bei Erwachsenen halten?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Bei manchen Menschen bleiben Milchzähne bis weit ins Erwachsenenalter erhalten. Bei anderen verlieren sie bereits früher ihre Stabilität.
Für die Prognose sind insbesondere folgende Faktoren relevant:
- Zustand der Zahnwurzel
- Stabilität des Zahns
- Gesundheit von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat
- Vorhandene Karies oder Füllungen
- Belastung beim Kauen
- Position innerhalb der Zahnreihe
- Zustand des umgebenden Kieferknochens
Ein gut erhaltener und stabiler Milchzahn sollte deshalb nicht vorschnell entfernt werden. Regelmäßige Kontrollen ermöglichen es, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Welche Probleme können durch einen verbliebenen Milchzahn entstehen?
Auch wenn ein Milchzahn lange problemlos funktionieren kann, können im Laufe der Zeit Schwierigkeiten auftreten.
Lockerung des Milchzahns
Eine mögliche Entwicklung ist der zunehmende Verlust der Stabilität. Insbesondere wenn die Wurzel des Milchzahns bereits teilweise abgebaut wurde, kann sich der Zahn mit der Zeit lockern.
Wie schnell dieser Prozess fortschreitet, ist individuell sehr unterschiedlich.
Karies und Zahnschäden
Wie bleibende Zähne können auch Milchzähne von Karies betroffen sein. Bestehen bereits größere Füllungen oder andere Schäden, muss geprüft werden, ob der Zahn weiterhin sinnvoll erhalten werden kann.
Gerade bei langfristig erhaltenen Milchzähnen ist deshalb eine konsequente Mundhygiene wichtig.
Unterschiede in Form und Größe
Milchzähne sind häufig kleiner als die entsprechenden bleibenden Zähne. Besonders im sichtbaren Bereich kann dadurch eine ungleichmäßige Zahnreihe entstehen.
Je nach Situation können kleinere ästhetische Korrekturen sinnvoll sein. Dabei sollte jedoch möglichst substanzschonend vorgegangen werden.
Fehlstellungen und Veränderungen des Bisses
Ein persistierender Milchzahn kann Einfluss auf die Stellung benachbarter Zähne haben. Fehlt beispielsweise der bleibende Nachfolger, können sich Zahnabstände und Bissverhältnisse anders entwickeln.
Hier sollte die gesamte Zahn- und Kiefersituation betrachtet werden und nicht nur der einzelne Milchzahn.
Sollte ein Milchzahn bei Erwachsenen gezogen werden?
Ein verbliebener Milchzahn muss nicht grundsätzlich gezogen werden. Solange er gesund, stabil und funktionell sinnvoll ist, kann der Erhalt eine gute Möglichkeit darstellen.
Eine Entfernung kann dagegen in Betracht gezogen werden, wenn der Zahn stark gelockert ist, nicht mehr dauerhaft erhalten werden kann oder seine Position zu funktionellen Problemen führt.
Auch wenn ein bleibender Zahn im Kiefer vorhanden ist, der bislang nicht durchgebrochen ist, muss individuell entschieden werden, welches Vorgehen sinnvoll ist.
Vor einer Entfernung sollte deshalb bereits geklärt werden, was anschließend mit der entstehenden Zahnlücke geschehen soll.
Was passiert, wenn der Milchzahn ausfällt?
Fällt ein Milchzahn im Erwachsenenalter aus oder muss er entfernt werden, entsteht eine Zahnlücke. Fehlt der bleibende Nachfolger, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, diese Lücke zu versorgen.
Welche Behandlung infrage kommt, hängt unter anderem von der Größe der Lücke, der Position der Nachbarzähne, dem vorhandenen Knochenangebot und der gesamten Bisssituation ab.
Zahnimplantat als möglicher Ersatz
Ein Zahnimplantat kann eine Möglichkeit sein, einen fehlenden Zahn zu ersetzen. Dabei wird eine künstliche Zahnwurzel in den Kieferknochen eingesetzt und anschließend mit einer individuell angefertigten Zahnkrone versorgt.
Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass die benachbarten Zähne für die Versorgung in der Regel nicht beschliffen werden müssen.
Vor einer Implantation müssen jedoch verschiedene Voraussetzungen geprüft werden. Dazu gehören unter anderem:
- Ausreichendes Knochenangebot
- Gesunde Verhältnisse von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat
- Geeignete Platzverhältnisse
- Ausreichender Abstand zu benachbarten Zahnwurzeln
- Individuelle gesundheitliche Voraussetzungen
Gerade bei einer angeborenen Nichtanlage eines Zahns können die Platz- und Knochenverhältnisse besonders sein. Eine genaue Planung ist deshalb wichtig.
Kann auch eine Zahnbrücke infrage kommen?
Eine weitere Möglichkeit zum Schließen der Zahnlücke ist eine Brücke. Hierbei wird der fehlende Zahn durch ein Brückenglied ersetzt, das über benachbarte Zähne getragen wird.
Eine Brücke kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn die angrenzenden Zähne ohnehin größere Defekte aufweisen oder bereits mit Kronen versorgt werden müssen.
Sind die Nachbarzähne dagegen vollständig gesund, kann ein Implantat den Vorteil bieten, dass diese Zahnsubstanz nicht für die Befestigung einer konventionellen Brücke beschliffen werden muss.
Kann die Lücke kieferorthopädisch geschlossen werden?
Nicht jede durch einen fehlenden bleibenden Zahn entstandene Lücke muss mit Zahnersatz geschlossen werden. Abhängig von der Zahnstellung kann eine kieferorthopädische Behandlung eine weitere Möglichkeit darstellen.
Dabei werden benachbarte Zähne gezielt bewegt, um die vorhandene Lücke zu schließen oder optimale Platzverhältnisse für eine spätere Versorgung zu schaffen.
Ob dies sinnvoll ist, hängt stark von der individuellen Zahnstellung und den Bissverhältnissen ab. Bei komplexeren Ausgangssituationen kann daher eine gemeinsame Planung unterschiedlicher zahnmedizinischer Fachbereiche sinnvoll sein.
Warum eine frühzeitige Untersuchung sinnvoll ist
Wer als Erwachsener noch einen Milchzahn besitzt, sollte diesen regelmäßig kontrollieren lassen. Dabei geht es nicht darum, einen funktionierenden Zahn vorsorglich zu entfernen. Vielmehr sollte bekannt sein, warum der Milchzahn noch vorhanden ist und wie seine langfristige Prognose aussieht.
Mit einer rechtzeitigen Planung können außerdem unnötige Veränderungen der Nachbarzähne oder ungünstige Platzverhältnisse vermieden werden.
Besonders sinnvoll ist eine Untersuchung, wenn sich der Milchzahn plötzlich lockert, Beschwerden verursacht, beschädigt ist oder sich seine Position verändert.
Milchzahn im Erwachsenenalter? Persönliche Beratung
Ein Milchzahn im Erwachsenenalter ist zunächst kein Grund zur Sorge. Entscheidend ist, wie gesund und stabil der Zahn ist und ob ein bleibender Zahn angelegt wurde. In vielen Fällen kann ein gut erhaltener Milchzahn weiterhin genutzt werden. Ist sein langfristiger Erhalt nicht möglich, stehen heute verschiedene Lösungen vom kieferorthopädischen Lückenschluss über eine Brücke bis zum Zahnimplantat zur Verfügung.
In unseren Zahnarztpraxen in Bremen und Hannover untersuchen wir Ihre individuelle Zahn- und Kiefersituation und besprechen mit Ihnen, ob der vorhandene Milchzahn erhalten werden kann oder welche Versorgung langfristig sinnvoll ist. Vereinbaren Sie einen Termin zur persönlichen Beratung in unserer Praxis in Bremen oder Hannover.






